Craft and Friends Team Netzathleten Etappe 5: Mi, 20.07.2011 St. Vigil (IT) – Alleghe (IT) 73,59 km / 2618 hm bergauf Craft

Craft and Friends Team Netzathleten Etappe 5: Mi, 20.07.2011 St. Vigil (IT) – Alleghe (IT) 73,59 km / 2618 hm bergauf

  • Nils Borgstedt
Härter geht’s kaum. Die Dolomiten zeigten sich heute von ihrer winterlichen Seite. Wildes Schneegestöber auf dem Limojoch in 2200m Höhe zwang die Rennleitung zum Abbruch der Etappe nach gut 2/3 der Strecke. Wir kamen nach 3h06min im Ziel an und erreichten heute den 86. Platz bei den Männern.

6.45 Uhr Aufstehen. Blick nach draußen: Strömender Regen und 8°C. Und dies auf ca. 1000m Höhe in St. Vigil. Wir wollten uns nicht vorstellen, wie es dann auf dem Limojoch oder am Rifugio Averau (2400m) ausschaut. Es half nichts – eine Nachricht bezüglich Abbruch der Etappe erreichte uns nicht – somit zogen wir unsere Regenklamotten über und radelten in Richtung Startbereich.

Den Jungs von Smaragd hatten wir für diesen Morgen noch ein kurzes Statement zur Halbzeit der Transalp versprochen. Dies war eine Minute vor Start erst im Kasten und da die Zeit knapp war, steckten uns die Organisatoren in Startblock A. Einerseits freuten wir uns darüber, denn die Strecke hatte auf den ersten 10 Kilometern gerade einmal 300 Höhenmeter und wir hofften, uns irgendwie im Windschatten der Pro’s halten zu können. Doch das Tempo war für uns zwei Hobbybiker einfach zu hoch und wir ließen uns Stück für Stück nach hinten fallen bzw. wurden nach hinten gereicht :-)

Als die ersten steilen Schotterpisten kamen, haben wir unser Tempo gefunden. Wir kurbelten uns konstant den Berg hinauf. Anfangs schüttete es noch in Strömen, doch irgendwann ging der Regen in Schnee über. Erst einmal hielten die Medizinhandschuhe aus Latex, die wir uns übergezogen hatten, noch die Feuchtigkeit von den Händen. Dies war aber auch nicht von langer Dauer. Unsere Radschuhe standen trotz Überschuhen nach keinen 15 Minuten unter Wasser – kurze Zeit später waren die Füße eingefroren.

„Alex, das ist das Härteste was ich je gemacht habe“, dies war Christian’s Kommentar auf dem schneebedeckten Gipfel. Nun durften wir uns in die abenteuerliche Abfahrt stürzen. Irgendwie schafften wir es auch ohne Gefühl in den Fingern zu bremsen, man musste die Kurven einfach nur ein bisschen mehr ausfahren… Unsere fahrtechnischen Qualitäten konnten wir heute bergab sicherlich nicht abrufen, deshalb waren wir froh, dass wir ein Fully – das Rocky Mountain Element MSL70 – unter dem Hintern hatten, welches bergab doch etwas schneller und vor allem „etwas“ sicherer ist.

An der ersten Verpflegungsstation nach knapp 30 Kilometern erfuhren wir, dass die Strecke verkürzt wird. Die letzten 600hm Aufstieg bis zum Rifugio Averau wurden gestrichen (leider damit auch der anscheinend schönste und längste Trail dieser Transalp hinunter nach Alleghe). Dies machte Sinn. In den Hinterköpfen der Organisatoren stecken sicherlich noch die tragischen Ereignisse vom Zugspitz Berglauf 2008. Vor allem für die schwächeren Fahrer, die teilweise mehr als 2,5 mal so lange bis in Ziel brauchen als die Profis (und somit auch 2,5 mal länger im Regen bzw. Schnee fahren) bedeutete dies eine riesige Erleichterung. Aber ganz ehrlich, wir beide waren auch froh.

Als es dann hieß: „ Männer, noch 20km bis ins Ziel“ brannten bei uns beiden die Sicherungen durch. Einmal unter die Top 100 zu kommen hatten wir uns vorgenommen. Es blieb zwar unausgesprochen – doch den Gedanken, dass dies heute möglich wäre, hatten wir beide!

Den Gegenanstieg nach der Verpflegungsstation drückten wir locker weg, die Italiener auf ihren 8kg Racehardtails ließen wir links liegen und somit nahmen wir unser Vorhaben in Angriff. Auch mit -2 Dioptrien auf beiden Augen (Brille war aufgrund des Regens schon längst im Rucksack verschwunden) konnte Alex seinem Teamkollegen Christian auf den letzten wurzeligen Passagen nach unten folgen.

Dass es nach der Abfahrt noch über 600hm bis zum Ziel waren, hatten wir wie immer nicht richtig abgespeichert. Als nach einer steilen Schotterpiste immer noch kein Ziel in Sichtweite war, mussten wir beide nochmals ein Gel drücken. „Alex, das macht uns auf den letzen Meter nochmals richtig heiß“ und Chris kämpfte sich weiter in Höllentempo die Passstrasse hinauf und überholte mit Alex am Hinterrad noch weitere 3 Teams. Ein Zielsprint beendete die Etappe. Dass um Platz 100 genauso gekämpft wird wie um Platz 1 ist vielleicht nicht ganz verständlich, doch es gehört einfach dazu!!!

Das Rennen war zwar nun beendet, doch der Zielort noch weit entfernt. Leider wartete auf uns auch kein Teambus und wir mussten die letzten 25km nach Alleghe radeln – davon über 400hm bergauf um dann wieder über 1000hm nach unten zu schießen. Bei der Abfahrt sind wir dann endgültig eingefroren und erst in der Dusche wieder aufgetaut.
Trotz verkürzter Etappe würden wir diese fast als die Härteste bezeichnen. Essen mit Teamkollegen ließen wir heute sausen, wir legten uns ins Bett und schliefen sofort ein.

Nachher gibt’s für uns endlich mal wieder Pizza (zur Vorspeise;-)) und auf die Pasta können wir uns nun auch wieder freuen (das Entrecôte gestern Abend war übrigens hervorragend!)

Wir hoffen morgen auf besseres Wetter! Seid gespannt.

Alex und Chris

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